Teil 2: Die Rolle der Familie im NT I - Jesus und Familie



Bibelstudium: Familie in der Bibel

Teil 2: Die Rolle der Familie im Neuen Testament I

- Jesus und Familie


In dieser Blogbeitrag-Serie wollen wir entdecken, was aus biblischer Sicht die Aufgabe der Familie ist und wie Familien in der heutigen Zeit diese Aufgabe leben können.


Im zweiten Teil dieser Serie geht es darum, welche Rolle die Familie im Neuen Testament hat.



Der Begriff „Familie“ im NT

Im NT ist der griech. Begriff, der vorrangig mit „Familie“ übersetzt wird οἶκος. Auch dieser Begriff umfasst einen ganzen Haushalt mit allen dort lebenden Personen, die alle der Autorität und Macht des Vaters unterstehen. Allerdings besteht die ntl. Familie nicht mehr aus so vielen Generationen, da der Altersdurchschnitt der Menschen im Gegensatz zum AT gesunken ist.

So wie im AT wird auch im NT Gott selbst und seine Beziehung zu den Menschen oft mit Familienmetaphern und -Rollen beschrieben. Gott wird in Gleichnissen als Vater beschrieben (Lk 11,11f; Lk 15,11ff), wir dürfen ihn mit „Abba, Vater“ ansprechen und sind dementsprechend seine Kinder (Mt 6,8f; Röm 8,15ff; Gal 4,6f; 1.Joh 3,1). Die Beziehung zwischen Jesus und seiner Gemeinde wird vielfach mit dem Bild der Ehe verglichen (Mt 25,1ff; Joh 3,29; 2.Kor 11,2; Eph 5,27; Off 14,4).


Jesus und seine Familie

Zunächst fällt im NT in Bezug auf Familie auf, dass Gott als Mensch selbst in eine Familie hineingeboren wird und in ihr aufwächst.[1] Der Theologe Maier sagt dazu: „Dass Jesus, obwohl er der Sohn Gottes ist, sich seinen Eltern „unterwirft“, bedeutet: Die Menschwerdung Gottes zerstört nicht die menschlichen Ordnungen, sondern der Gottessohn fügt sich ihnen demütig ein.“[2]


Jesu Wirken an und durch Familien

Als Erwachsener wirkt Jesus von Beginn an in familiären Kontexten. So findet sein erstes Wunder anlässlich eines Familienereignisses, nämlich einer Hochzeitsfeier, statt (Joh 2,1-11). Jesus geht immer wieder gezielt in die Häuser der Menschen, um dort seine Botschaft zu verkünden und Heilung zu bringen. So können wir mehrmals davon lesen, dass ganze Häuser und Familien sich bekehren (Lk 19,9; Joh 4,53; Joh 11,1ff).

Sogar aus Jesus eigener Familie bekehrt sich nicht nur seine Mutter (Apg 1,14), sondern auch ein paar seiner leiblichen Brüder.[3] Bei dem Jünger Andreas können wir entdecken, wie sich durch seine Bekehrung das Evangelium in seiner Familie und darüber hinaus ausbreitet. „Andreas, der als Erster [aus seiner Familie] Jesus kennenlernt, läuft nach Hause, findet seinen Bruder Simon und führt diesen zu Jesus (Joh. 1,40ff). Als er [Jesus] dessen Haus besucht, heilt er die Schwiegermutter des Simon. Mit ihrer Entscheidung für Jesus kommt Heil in ihr Haus. Das Wunder spricht sich in Windeseile herum und eine Menschenmenge versammelt sich vor der Tür dieses Hauses (Mk 1,29-33). Und Jesus dient diesen Menschen.“[4]

Interessant ist auch, dass wir in Lk 8,26ff eine Geschichte finden, in der ein Besessener von Jesus geheilt wird und daraufhin mit Jesus mitgehen will, doch Jesus ihm dies nicht erlaubt. Stattdessen fordert er ihn auf, zurück zu seiner Familie zu gehen und ihr von dem zu erzählen, was er erlebt hat (Lk 8,38f).[5] Auch in Mk 8,22-26 schickt Jesus einen Blinden nach dessen Heilung zurück nach Hause.


Jesu Botschaft an Familien

Jesus richtet sich nicht nur in seinen Taten, sondern auch in seinen Worten an Familien. Denn seine Botschaft beinhaltet nie nur die seelische Rettung einzelner Menschen, sondern immer auch soziale Transformation. Da Familie die Kerneinheit der sozialen Gesellschaft ist, bedeutet soziale Transformation automatisch auch Wiederherstellung und Heilung für Familien. Der Theologe Reimer schreibt dazu: „Evangelisation im Leben Jesu ist unmittelbar mit dem Institut der Familie verbunden. [...] Denn seine Mission zielt auf die Wiederherstellung der Familie. Transformation des sozialen Raumes ist ohne eine solche Wiederherstellung nicht zu denken.“[6]

Sehr deutlich wird dies in Lk 4,16-22, wo Jesus aus Jes 61,1-2 vorliest und erklärt, dass mit ihm das Gnadenjahr[7] des Herrn angebrochen ist. „Und die Wiederherstellung der Familie als soziale Kerneinheit des Volkes Gottes steht im Mittelpunkt der Verheißung zu diesem Jahr (Lev 25,1ff; Jes 65,19ff). An diesem 50. Jahr war ganz Israel angehalten, seine Familien zu befreien und zu erneuern. […] Das Erlassjahr entpuppt sich beim näheren Hinsehen als ein wahres Familienjahr!“[8]

Jesus ist also auch auf diese Erde gekommen, um Familien Widerherstellung und Heilung zu bringen. Familien sind ihm wichtig.

Die atl. Gebote, die die Familie schützen sollen, hebt Jesus hoch und macht deutlich, dass man seine Familienmitglieder nicht vernachlässigen soll (Mk 7,10-13). Jesus schützt die Familie durch das Scheidungsverbot (Mt 19,3-9) und wertet auch den Stand der Kinder als eigene Persönlichkeiten enorm auf und sieht sie als den Erwachsenen ebenbürtige Geschöpfe (Mt 18,6-11).



In dem nächsten Blogbeitrag wird es um die neue Familie Gottes gehen, von der Jesus und Paulus sprechen.


 

[1] Viele Theologen nehmen an, dass Josef schon sehr früh gestorben ist und Maria Jesus und seine anderen (mind. 7) Geschwister alleine aufgezogen hat, was somit ein biblisches Beispiel für eine Ein-Eltern-Familie wäre. Vgl. Schneller (1989), S.15; Vgl. Stauffer (1957), S.44 [2] Maier (2009), S.161 [3] So z.B. sein Bruder Jakobus (Vgl. Gal 1,19; Mk 6,3) und Judas (Jud 1,1; Mk 6,3).; Vgl. Reimer (2017), S.68; Vgl. Schröter (2017), S.218f [4] Reimer (2017), S.69 [5] Im EKK wird die Reaktion Jesu auf die Bitte des Geheilten so erklärt, dass dieser vorher durch seine Besessenheit aus der Gesellschaft und seiner Familie ausgeschlossen war. Hätte Jesus den Mann aufgefordert, seine Familie zu verlassen, wäre dies keine Herausforderung mehr für ihn gewesen. Aber gerade seine Rückkehr zu seiner Familie ist ein Symbol der Heilung. Er wird wieder eingegliedert in die Gesellschaft und ist allen ein Zeuge für Jesu Botschaft. Zum anderen ist Jesu Aufforderung darin begründet, dass der Besessene Heide ist und die Zeit für die Heiden noch nicht gekommen war. Vgl. Bovon (1989), S.440 [6] Reimer (2017), S.74 [7] Das Gnadenjahr (eig. Jobeljahr oder auch Erlassjahr) hatte für das Volk Israel eine große Bedeutung. In diesem „alle 50 Jahre stattfindenden Jahr sollten nach Lev 25 alle Israeliten, die aufgrund einer finanziellen Notlage ihr Grundstück verkauft hatten oder zu Schuldsklaven geworden waren, ihr Land und ihre Freiheit zurückerhalten.“ Koenen (2006); Trotz mehrfacher Erwähnungen wurde dieses Gebot aber nur tlw. von den Israeliten eingehalten (Jes 34,13-17). Deswegen warteten besonders die armen Israeliten auf die Wiederherstellung dieses Gebotes durch den verheißenen Messias. Vgl. Neef (2003), S.668-669; Man könnte einwenden, dass der Kerngedanke vom Jobeljahr im genaueren Sinne die Vergebung ist. Jedoch resultieret, meiner Meinung nach, aus gegenseitiger Vergebung die Wiederherstellung von Beziehungen und damit auch der Familie. [8] Reimer (2017), S.68f

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