Teil 1: Die Rolle der Familie im AT II - Familiengeschichten im Alten Testament



Bibelstudium: Familie in der Bibel

Teil 1: Die Rolle der Familie im Alten Testament II

- Familiengeschichten im Alten Testament


In dieser Blogbeitrag-Serie wollen wir entdecken, was aus biblischer Sicht die Aufgabe der Familie ist und wie Familien in der heutigen Zeit diese Aufgabe leben können.


Im ersten Teil dieser Serie geht es darum, welche Rolle die Familie im Alten Testament hat.

Im letzten Beitrag haben wir entdeckt, dass Familie eine Idee Gottes ist, sie ist von ihm gewollt und geschaffen.



Von dem Schöpfungsbericht bis zu den Anfängen des Volkes Israels lesen wir die Bibel hauptsächlich als Geschichten von Familien. Gottes Geschichte mit der Menschheit ist eine Geschichte von Familien, Gott denkt und plant in Familie. „Gottes Geschichte schließt immer die Familie als Basiseinheit der menschlichen Welt ein.“[1]

Auffällig ist dabei, dass die Bibel nichts beschönigt, sondern den Alltag der Familien mit all ihren Konflikten und Herausforderungen tlw. sehr detailliert schildert. So lesen wir gleich in der allerersten Familiengeschichte überhaupt davon, wie Kain seinen Bruder Abel aus Neid ermordet (1.Mo 4). Wir lesen, wie Noahs Familie es schafft, trotz des ungläubigen Umfeldes, an Gott festzuhalten und wie Gott sie gebraucht, um die Menschheit zu retten und wiederherzustellen (1.Mo 6ff). Doch auch in Noahs Familie gibt es Konflikte, so beschämen die Söhne ihren eigenen Vater (1.Mo 9,18ff). Nach Noah folgen viele Stammbäume, die aufzeigen, wie eine Familie nach der anderen trotz ihrer Unvollkommenheit in Gottes Geschichte eingereiht ist.


Mit 1.Mo 12 beginnen die Erzelternerzählungen (d.h. die Geschichten der Glaubensväter). Auch diese Erzählungen sind Familiengeschichten.

Abram bekommt den Urauftrag von Gott alle Völker zu segnen, bzw. ihnen ein Segen zu sein (1.Mo 12,1ff). Obwohl es auch in seiner Familie Spannungen gibt (sie können keine Kinder bekommen, Abram gibt seine Frau Sara als seine Schwester aus, Abram trennt sich von seinem Neffen Lot), gebraucht Gott sie, um andere Völker zu segnen (1.Mo 14,17ff). Abrams Familie entspricht nicht in allen Punkten Gottes Plan, so zeugt Abram mit der Sklavin seiner Frau einen Sohn (1.Mo 16), doch trotzdem schließt Gott mit Abram – und genauer genommen nicht nur mit ihm, sondern mit seiner Familie und allen nachfolgenden Generationen – einen Bund (1.Mo 17,1ff).


Später lesen wir immer wieder davon, dass Gott ein Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist (2.Mo 3,6; 4,5; 1.Kö 18,36; Mt 22,32; Apg 3,13). Er ist ein Gott der Familie.


Die Familie von Abraham und Sara wächst und es gibt Streit zw. den Brüdern Ismael und Isaak, woraufhin sich die Familie trennt (1.Mo 21). Auch die folgenden Familien von Ismael und Isaak sind konfliktbeladen. Isaak wiederholt den Fehler seines Vaters und gibt seine Frau als Schwester aus (1.Mo 26,1ff), außerdem bevorzugt sowohl er als auch seine Frau jeweils einen ihrer Söhne (1.Mo 25,28). Jakob betrügt Esau und seinen Vater (1. Mo 25+27) und auch er bevorzugt später seinen Sohn Josef vor allen anderen Söhnen, woraufhin diese ihren eigenen Bruder als Sklaven verkaufen (1.Mo 37f).

Trotz alldem stellt Gott sich immer wieder zu Jakobs Familie und führt sie am Ende wieder zusammen (1.Mo 46). Gott segnet die Familie selbst und durch sie ganz Ägypten.


Im weiteren Verlauf können wir davon lesen, wie dieser Segen innerhalb der Familie immer an die nächste Generation weitergegeben wird (1.Mo 48f). Gott lässt Jakobs Familie zu einem großen Volk in Ägypten heranwachsen.


Gott schreibt seine Geschichte weiterhin durch Familien, die nun aber immer mehr in die größere Gemeinschaft des ganzen Volkes Israels eingegliedert sind.

Die Einzelfamilie ist Mitglied einer Großfamilie, diese ist dann Teil eines Clans, welcher wiederum zu einem Stamm gehört, welcher wiederum zum ganzen Volk gehört.


Nach der Befreiung aus Ägypten gibt Gott dem Volk die Zehn Gebote, welche ihre Lebensgemeinschaft miteinander und mit Gott regeln sollen (2. Mo 20). Einige dieser Gebote betreffen direkt den Schutz und die Qualität der Familie.[2]

Gott verbindet mit der Einhaltung der Gebote die Zusage des Segens an die nächsten Generationen (2.Mo 20,5f).[3] Davon, ob der Segen weitergetragen wird, hängt in entscheidendem Maße die weitere Existenz des Volkes ab.


Auch die Weisheitsliteratur der Bibel gibt Hinweise, wie die Familien im Umgang miteinander leben sollen. So sollen die Eltern gottesfürchtig und gottesgerecht sein und ihre Kinder aus dieser Haltung heraus behandeln (Spr 20,7). Die Kinder dagegen sind aufgefordert ihre Eltern zu ehren (Spr 19,26; 28,7). „Die Weisheitstradition prägt ideale Rollenbilder, [aber die] alttestamentliche Erzähltradition diskutiert Familienkonflikte und ihre möglichen Lösungen.“[4]



Im nächsten Blogbeitrag geht es darum, wie im Volk Israel der Glaube an die Kinder weitergegeben wurde.




 

[1] Reimer, Johannes & Faix, Wilhelm (2017): Familie - Zukunft der Kirche. Marburg an der Lahn: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH, S.46 [2] Nicht ehebrechen. Vater und Mutter ehren. Nicht begehren, was der Familie des Nächsten gehört. Gott als höchste Autorität. [3] Wenn wir bedenken, dass eine israelitische Familie mit drei bis vier Generationen zusammenlebte, kann 2.Mo 20,5 „ohne Schwierigkeiten auch als Sozialisationsprozess, also auf dem Hintergrund von erlerntem Verhalten, gesehen werden“. Alle positiven und negativen Verhaltensweisen konnten in der Praxis direkt von den folgenden Generationen übernommen werden. [4] Maier, Christl & Lehmeier, Karin (2009): „Familie“ In: Schottroff, Luise (Hg.): Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel. 1. Aufl. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, S.134

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